Kurserholung hebt die Stimmung +++ Goldnachfrage sinkt

Inhalt dieser Ausgabe

  1. Erholung in den Aktienindizes hebt die Stimmung
  2. Aufwärtsdynamik im Goldpreis lässt nach

 

›› Erholung in den Aktienindizes hebt die Stimmung
von Sven Weisenhaus

Verehrte Leserinnen und Leser,

Sven Weisenhaus, Chefredakteur Geldanlage-Briefin der vorangegangenen Ausgabe des Geldanlage-Briefs haben wir uns genauer angesehen, wie die Berichtssaison für die Unternehmen im US-amerikanischen Aktienindex S&P 500 und im europaweiten STOXX-600-Index ausgefallen ist. Es dürfte aber viele Leser interessieren, welche Zahlen denn unsere heimischen DAX-Unternehmen vorgelegt haben.

DAX-Unternehmen erleiden Umsatz- und Gewinnrückgänge

Nach Berechnungen der Unternehmensberatung EY (früher Ernst & Young) sank der Gesamtumsatz der DAX-Konzerne im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1,1 Prozent auf 326 Milliarden Euro. Fast die Hälfte der Index-Mitglieder setzen weniger um. Dabei sind allerdings die beiden Geldinstitute Deutsche Bank und Commerzbank noch nicht berücksichtigt, die aufgrund schwacher Quartalszahlen den Durchschnitt noch weiter nach unten gezogen hätten.

Die Gewinne nahmen derweil stärker ab als die Umsätze. So schrumpfte das operative Ergebnis (EBIT) der 30 im DAX gelisteten Unternehmen im zweiten Quartal insgesamt um 6,6 Prozent auf 29,8 Milliarden Euro. Dabei schafften 19 Konzerne einen Gewinnanstieg, während die restlichen elf Firmen einen Ergebnisrückgang hinnehmen mussten.

Zweitbestes Quartal der vergangenen zehn Jahre

Mit durchschnittlich rund einer Milliarde Euro verdienten die 30 DAX-Konzerne aber immer noch ordentlich. Denn man muss berücksichtigen, dass wir in 2015 ein Rekordjahr hatten. Und die nun erzielten 29,8 Milliarden sind immer noch der zweithöchste Wert der vergangenen zehn Jahre.

Krisen bremsen den DAX

Da verwundert es schon ein wenig, dass der DAX den US-Indizes nicht nur charttechnisch, sondern auch in der fundamentalen Bewertung deutlich hinterher hinkt. Ein Grund dafür sind natürlich die lokalen Krisen, die sich in der Verschuldungsproblematik diverser Euro-Staaten äußerten und jüngst im Brexit-Votum der Briten wieder aufflackerten.

Brexit-Schock wird immer mehr verdaut

Doch der Brexit-Schock scheint mehr und mehr verdaut zu werden. Dies belegen auch die gestern veröffentlichten ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland, die sich im August verbessert haben. Gegenüber dem Vormonat gewann der ZEW-Index 7,3 Punkte hinzu und steht jetzt mit 0,5 Punkten wieder im positiven Bereich.

ZEW-Index
(Quelle: ZEW)

Analysten hatten allerdings einen stärkeren Anstieg auf 1,8 Punkte erwartet. Zudem liegt der Wert auch nach dem aktuellen Anstieg noch deutlich unter seinem langjährigen Durchschnitt von 24,2 Punkten. Dennoch: Vom Brexit-Schock im Juli hat sich der Indikator deutlich erholt, auch wenn er den damaligen Rückgang um 26 Punkte bisher nur teilweise wettmachen konnte. Zudem fiel die Bewertung der aktuellen konjunkturellen Lage in Deutschland besser aus als erwartet. Der Teilindex stieg um 7,8 auf nun 57,6 Punkte. Hier hatte die Prognose lediglich bei rund 50 gelegen.

Erholung in den Aktienindizes hebt die Stimmung

Damit bestätigte sich die Einschätzung in der Ausgabe des Geldanlage-Briefs vom 24. Juli. Damals wurden die ZEW-Konjunkturerwartungen als erster Stimmungsindikator nach dem Brexit-Votum veröffentlicht. Sie waren dabei auf den niedrigsten Stand seit November 2012 gefallen. Trotzdem hielten wir die Fahne für den DAX oben und rieten, aus einem einzelnen Rückgang noch keine voreiligen Schlüsse zu ziehen. Nach den Einkaufsmanagerindizes, die den scharfen ZEW-Rückgang nicht mitmachten (siehe Geldanlage-Brief vom 7. August), bestätigt die aktuelle Erholung des ZEW-Index die damalige Erwartung.

Da größere Finanzmarktturbulenzen jedoch ausblieben, ist durchaus denkbar, dass Konjunkturbarometer wie der ZEW-Index bereits im kommenden Monat wieder zulegen“, hieß es in der Analyse vom 24. Juli. Derweil kletterte der DAX zwischen den Umfrageergebnissen des ZEW-Index kräftig: von rund 10.000 Punkten am 19. Juli auf bis zu 10.800 Zähler im Hoch vom Wochenbeginn . Damit stieg er um rund 8 Prozent innerhalb eines knappen Monats (grüner Pfeil im Chart).

DAX - Chartanalyse

Sicherlich war es auch dieser Anstieg, der die Stimmung deutscher Finanzexperten steigen ließ, die für den ZEW-Index befragt werden.

Die ZEW-Konjunkturerwartungen für die Eurozone hellten sich übrigens noch deutlicher als für Deutschland auf. Sie stiegen um 19,3 Punkte auf 4,6 Zähler. Auch die Bewertung der Konjunkturlage fiel besser als im Vormonat aus, auch wenn diese sich mit einem Anstieg um 2,1 Punkte auf minus 10,3 Punkte nur leicht aufgehellt hat. Und selbst für Großbritannien hellte sich die Erwartungshaltung der befragten Finanzmarktexperten auf, die Lagebewertung gab jedoch deutlich nach. Hier hat sich vermutlich niedergeschlagen, dass neben dem DAX (blauer Kursverlauf) auch der Euro STOXX 50 (rot) und der FTSE 100, der wichtigste britische Aktienindex (grün), extrem entspannt auf das Brexit-Votum reagiert haben.

DAX. Euro STOXX 50 und FTSE 100 - Kursverlauf nach Brexit-Votum
(erstellt mit Ariva.de)

Dazu muss man wissen, dass im ZEW-Finanzmarkttest jeden Monat ca. 350 Finanzexperten aus Banken, Versicherungen und großen Industrieunternehmen nach ihren Einschätzungen und Erwartungen bezüglich wichtiger internationaler Finanzmarktdaten befragt werden. Und besonders bei Experten aus dem Finanzsektor ist die Stimmung stark von der Aktienkursentwicklung abhängig.

Testet der DAX sein Ausbruchsniveau?

Nachdem der DAX wichtige Widerstände durchbrochen hat (siehe Geldanlage-Brief vom 10. August), kam es jüngst zu einem Rücksetzer. Es wäre denkbar, dass dieser auf das Ausbruchsniveau bei ca. 10.470 Punkten zurückführt. Dort könnte der DAX den Ausbruch durch eine erneute Umkehr nach oben bestätigen. Nur wenn die US-Indizes und/oder der DAX unter das jeweilige Ausbruchsniveau zurückfallen, wäre damit ein Fehlsignal/Fehlausbruch entstanden. Diesem dürften dann erneute Rückschläge folgen. Doch solange dies nicht geschieht, stehen die Börsenampeln auf Grün.

Fazit

Den Unternehmen in Deutschland geht es prächtig. Im vergangenen Vierteljahr haben die DAX-Konzerne das zweitbeste Quartal der vergangenen zehn Jahre hingelegt. Entsprechend positiv hat sich auch der DAX entwickelt. Dabei haben die Krisen die Kurserholung jedoch gebremst, weshalb der deutsche Leitindex den US-Pendants deutlich hinterher hinkt.

Doch sowohl charttechnisch als auch fundamental besteht im DAX eine Menge Aufholpotential. Denn die mehrmonatige Seitwärtskonsolidierung (siehe hellblaues Rechteck im DAX-Chart) sowie der übergeordnete Abwärtstrend (rote Linie) sind überwunden. Und die Bewertung der DAX-Aktien ist deutlich günstiger als in den US-Indizes. Daher bleibt es bei der Empfehlung: Kaufen Sie nicht die Allzeithochs in den US-Indizes, sondern den charttechnischen Ausbruch im DAX.

Tradingchancen im DAX

Für weiter steigende Kurse im DAX könnte folgendes Produkt interessant sein:
DAX WAVE Unlimited Call, WKN: DX6X1U, aktueller Hebel: 4,7, Briefkurs: 22,63 Euro
Für wieder fallende Kurse im DAX könnte sich folgendes Tradinginstrument anbieten:
DAX WAVE Unlimited Put, WKN: XM3B20, aktueller Hebel: 8,5, Briefkurs: 12,31 Euro

 



›› Aufwärtsdynamik im Goldpreis lässt nach
von Sven Weisenhaus

Am 10. Juli war in der damaligen Ausgabe des Geldanlage-Briefs zu lesen, dass der Goldpreis seinen Aufschwung fortsetzte und mit 1.375 US-Dollar je Feinunze auf dem höchsten Stand seit zwei Jahren notierte. Seitdem konsolidiert der Kurs auf dem erreichten Niveau seitwärts (gelbes Rechteck).

Gold - Chartanalyse

Insgesamt lässt sich feststellen, dass der Aufwärtsdrang bei Gold nachgelassen hat. Stieg der Preis zu Jahresbeginn noch binnen drei Monaten von ca. 1.050 USD auf 1.284 USD um fast 25 Prozent (dunkelgrünes Rechteck), so legte der Preis seitdem bis zum Hoch bei 1.375 USD nur noch um etwas mehr als 7 Prozent zu. Selbst die Rally vom Zwischentief bei rund 1.200 USD bis zum Hoch vom 6. Juli (hellgrünes Rechteck) machte nur knapp 15 Prozent aus.

Angebot holt Nachfrage wieder ein

Die Gründe für die nachlassende Aufwärtsdynamik liefern die aktuellen Quartalsdaten des World Gold Councils für den Zeitraum von April bis Juni. Demnach ließ die Nachfrage im zweiten Quartal gegenüber dem ersten Quartal 2016 um stattliche 240 Tonnen (t) von 1.290 auf insgesamt 1.050 t und damit um mehr als 18 Prozent nach. Zudem bestimmt neben der Nachfrage auch das Angebot den Preis. Und während es im ersten Quartal 2016 noch zu einem Nachfrageüberhang von rund 155 t kam, herrschte im zweiten Quartal ein Angebotsüberhang von knapp 95 t.

Gold - Angebot und Nachfrage
Grafik 1 (Quelle: World Gold Council)

Dennoch war die Nachfrage auch im zweiten Quartal durchaus beachtlich. Denn im Vergleich zum Quartal des Vorjahres stieg sie um 15 Prozent und zum Jahresbeginn um 18 Prozent. Zwar konnte die sehr starke Nachfrage im ersten Quartal, die den Kurs zu Jahresbeginn dynamisch nach oben getrieben hat, nicht aufrechterhalten werden, sie blieb jedoch im zweiten Quartal offenbar stark genug um den Goldpreis zumindest in einem leichten Aufwärtstrend zu halten.

Investmentnachfrage erneut stärkste Kraft

Dabei war es erneut, wie schon im ersten Quartal des laufenden Jahres (siehe "Nachfrage besteht zu 99,5% aus Papiergold"), ausschließlich die Investmentnachfrage, also die Nachfrage nach Goldbarren, Münzen und mit Gold besicherten Indexfonds, sogenannte Exchange Traded Funds (ETF), die den Goldpreis getrieben hat. Sie stieg im zweiten Quartal um 141 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal und um 127 Prozent zum Jahresbeginn. Zudem war sie im ersten Halbjahr 2016 mit insgesamt 1.064 Tonnen und einem Wert von 41,6 Milliarden Dollar so groß wie nie. Sie lag sogar um 16 Prozent höher als im ersten Halbjahr 2009, dem bisherigen Rekordzeitraum. Damals war die Finanzkrise an ihrem Höhepunkt.

Dies führte dazu, dass die Investmentnachfrage zum ersten Mal in der Geschichte die größte Komponente in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen war. Verantwortlich dafür waren vor allem Zuflüsse in ETFs. Sie lagen im ersten Halbjahr dieses Jahres bei 580 Tonnen und damit sogar um über ein Viertel höher als während der Krise.

Gold - Investmentnachfrage in ETFs
Grafik 2 (Quelle: World Gold Council)

Nachfrage nach Gold sinkt

Dies darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Nachfrage nach Gold im zweiten Quartal insgesamt gesunken ist. So ging die Nachfrage der Zentralbanken im Jahresvergleich um ganze 40 Prozent zurück und auch die Schmucknachfrage ließ nach. Wegen der hohen Goldpreise und deren Volatilität sowie den stockenden indischen und chinesischen Absatzmärkten verringerte sie sich um 14 Prozent. Der Technologiesektor fragte derweil drei Prozent weniger Gold nach (siehe Grafik 1).
Und im Vergleich zum ersten Quartal schwächelte selbst die Investmentnachfrage. Sie sank von 617 t auf 448 t, was einen Rückgang von 27 Prozent bedeutet. Hier zeigt sich, wie extrem die Volatilität der Investmentnachfrage sein kann.

Unsicherheit treibt Goldkurs

Treiber des Goldpreisanstiegs und der Nachfrage waren bislang Unsicherheiten am Markt. So erfolgten allein im Juli, dem ersten Monat nach dem Brexit-Votum, Gold-Investments im Gegenwert von weiteren 80 Tonnen. Mehr als die Hälfte des Kapitals kam dabei aus Europa. Und alleine am Tag nach dem Brexit-Votum gewann der Goldpreis zeitweise um über 100 USD dazu. Zudem stieg bei Google die Suchanfrage für „buy gold“ (engl. für „Gold kaufen“) an diesem Tag um 500 Prozent. Daneben sorgten der turbulente US-Wahlkampf sowie die Probleme im italienischen Bankensektor und die anhaltenden Unruhen im Nahen Osten für Unsicherheit unter den Anlegern.

Niedrige Zinssätze

Auch die anhaltende Liquiditätswelle der Zentralbanken tat ihr Übriges. Immer mehr Anlagen werden inzwischen negativ verzinst, sodass sogar die Haltungskosten von Goldbarren teilweise günstiger werden als manche Anleihe. Es wundert daher kaum, dass die globalen Bestände in Gold-Indexfonds in der vergangenen Woche ihr Drei-Jahres-Hoch erreichten. Und hier ist erst einmal kein Ende in Sicht. Denn die EZB hat in nächster Zeit nicht vor, ihren Kurs zu ändern. Die Bank of England hat ihren Leitzins sogar kürzlich erst weiter gesenkt. Und ob die Federal Reserve ihre Zinsen bis zum Ende des Jahres noch einmal erhöhen wird, ist weiterhin offen.

Pause im Aufwärtstrend oder Trendwende?

Der Goldkurs behält vor diesem Hintergrund zurzeit zumindest eine Seitwärtskonsolidierung bei (gelbes Rechteck im Chart oben). Vielleicht schafft er sogar bald noch ein neues Jahreshoch. Dazu müsste aber ein erneuter Aufschwung der Investmentnachfrage den Goldkurs weiter beflügeln. Auch eine anziehende Nachfrage der zuletzt schwächelnden Sektoren (Schmuck, Technologie, Notenbanken) könnte bei gleichbleibender Investmentaktivität zu weiter steigenden Kursen führen. Doch Voraussetzung dafür ist, dass die niedrigen Zinssätze und die hohe Liquidität weiterhin bestehen und Gold für (institutionelle) Investoren weiterhin eine vermeintlich sichere Anlage in unsicheren Zeiten bleiben.

Treten die Unsicherheitsfaktoren jedoch in den Hintergrund, weil sich wie üblich ein Gewöhnungseffekt einsetzt, dann könnten sich die Investoren auch schnell wieder aus ihren Gold-Investments verabschieden. Denn gerade ETFs lassen sich nicht nur schnell kaufen, sondern auch genauso schnell wieder veräußern. Auf diese Problematik wurden Sie bereits in der Börse-Intern vom 13. Mai hingewiesen, als der Goldmarkt des ersten Quartals analysiert wurde. Und inzwischen zeichnet sich genau dies in den Daten des World Gold Council zum zweiten Quartal bereits ab.

Fazit

Vor diesem Hintergrund ist die aktuell nachlassende Aufwärtsdynamik im Goldpreis bereits skeptisch zu sehen. Zumal derzeit Investoren so stark wie seit den Höchstständen von Gold im Jahr 2011 nicht mehr auf steigende Goldpreise setzen, was aus antizyklischer Sicht eher für fallende Kurse spricht. 2011 kostete eine Feinunze noch 1.900 Dollar. Kurz darauf trat jedoch der Kurs in einen vier Jahre währenden Sinkflug ein.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus

Tradingchancen im Goldpreis

Für steigende Kurse im Goldpreis könnte folgendes Produkt interessant sein:
Gold WAVE XXL Call, WKN: DX8JU7, aktueller Hebel: 2,5, Briefkurs: 47,64 Euro
Für fallende Kurse im Goldpreis könnte sich folgendes Tradinginstrument anbieten:
Gold WAVE XXL Put, WKN: DX5CJ3, aktueller Hebel: 6,3, Briefkurs: 18,92 Euro

 


 

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