DAX und Bund-Future - Es stehen wichtige Entscheidungen bevor

Inhalt dieser Ausgabe

  1. Im Bund-Future könnte bald eine Entscheidung fallen
  2. Eine Warnung: Die mögliche große SKS im DAX
  3. Termine der kommenden Woche

 

›› Im Bund-Future könnte bald eine Entscheidung fallen
von Sven Weisenhaus

Verehrte Leserinnen und Leser,

Sven Weisenhaus, Chefredakteur Geldanlage-Briefdas nachlassende Wirtschaftswachstum in Deutschland (siehe „Deutsche Wirtschaft im Abwärtstrend?“) wird sich auch auf den deutschen Staatshaushalt auswirken. Derzeit spürt dieser noch die gute Wirtschaftslage aus dem ersten Halbjahr. Denn die öffentlichen Kassen erzielten in diesem Zeitraum einen Überschuss in Höhe von 18,5 Milliarden Euro. Dies entspricht 1,2 Prozent des BIP, womit sich Deutschland im Gegensatz zu vielen anderen Ländern der Eurozone in komfortabler Entfernung zur Defizitgrenze von -3,0 Prozent befindet, die laut Maastricht-Vertrag erlaubt wäre.

Der deutsche Staat profitiert von der Geldpolitik der EZB

Dabei profitierte der Bundeshaushalt neben dem freundlichen Wirtschaftsumfeld und einer guten Lage auf dem Arbeitsmarkt auch von einem äußerst niedrigen Zinsniveau, das durch die expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) maßgeblich nach unten gedrückt wurde. Mitte Juni war erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen in den negativen Bereich gerutscht. Der Staat konnte damit langfristig Schulden aufnehmen und dafür sogar Geld kassieren, statt Zinsen zu zahlen. Dadurch sanken die Zinsausgaben der öffentlichen Kassen im Vergleich zum Vorjahr um satte 13,8 Prozent.

Im Bund-Future könnte bald eine Entscheidung fallen

Aktuell liegt die Rendite für 10-Jährige deutsche Staatsanleihen bei etwa -0,1 Prozent. Der Bund-Future als Barometer für den Anleihemarkt befindet sich unterdessen in der Nähe seines Rekordhochs, welches er nach dem Brexit-Votum sprunghaft erreicht hatte (grüne Ellipse im folgenden Chart, siehe Geldanlage-Brief vom 26. Juni). Dort ist er inzwischen in eine Seitwärtskonsolidierung eingeschwenkt (gelbes Rechteck).

Bund-Future - Chartanalyse

Diese engte sich zuletzt ein, so dass sich ein aufsteigendes Dreieck bildete (rote und grüne Linie). Hier deutet sich inzwischen eine Entscheidung an.

Zuletzt schien der Druck nach oben durch höhere Tiefs entlang der Aufwärtslinie zuzunehmen. Käme es dadurch zu einem bullishen Ausbruch aus der Seitwärtsrange (gelb) bzw. über die Widerstandslinie (rot), wären ein erneutes Erreichen des Allzeithochs bei 168,86 Punkten oder gar noch höhere Notierungen denkbar.

Doch mit einem Abwärtsimpuls von Freitag droht die Aufwärtstrendlinie (grün) gebrochen zu werden. Gelingt dies nachhaltig, wird ein schärferer Rücksetzer wahrscheinlich. Bestätigt wird dieser Rücksetzer, wenn anschließend auch noch die Seitwärtsrange nach unten verlassen wird. Es wäre zudem ein Hinweis darauf, dass sich die aktuell unnatürliche Zinssituation (negative Anleiherenditen) etwas normalisiert.

Fazit

Der deutsche Staat hat im ersten Halbjahr noch enorm von der Stärke der deutschen Wirtschaft profitiert. Aber auch die Staatskassen müssen wohl im zweiten Halbjahr mit weniger Wachstum rechnen. Verschärfen könnte sich dies, wenn der Anleihemarkt bzw. der Bund-Future korrigiert und die Zinsen dadurch steigen. Achten Sie im Bund-Future daher auf die genannten Linien und Formationen.

 



›› Eine Warnung: Die mögliche große SKS im DAX
von Sven Weisenhaus

In den vergangenen Wochen konnten Sie wiederholt hier im Geldanlage-Brief lesen, dass mit einer saisonal schwächeren Phase im DAX zu rechnen ist. Sollte es zu dieser Schwäche kommen, könnte das langfristige Bild im DAX schnell bearish werden. Denn wenn der DAX seinen kürzlich gebrochenen Abwärtstrend wieder aufnimmt, besteht die Gefahr, dass sich eine große Schulter-Kopf-Schulterformation (SKS) ausbildet. Und dabei handelt es sich um eine Trendumkehrformation. Das heißt, mit dieser könnte der seit 2009 existierende Aufwärtstrend beendet werden. Dazu folgender Chart:

DAX - Chartanalyse

Bei einer SKS muss eine ganze Reihe von Voraussetzungen erfüllt sein, damit sie regelkonform abläuft. Dann, und nur dann, hat sie beim Bruch der Nackenlinie (dicke blaue Linie im Chart) eine Eintrittswahrscheinlichkeit auf das Erreichen des Kursziels von bis zu 90 Prozent.

Die Voraussetzungen einer SKS

So muss sich die Formation nach einem langen, meist mehrjährigen Aufwärtstrend ausbilden. Das ist im DAX eindeutig der Fall. Die Rally startete 2009 und die linke Schulter bildete sich fünf Jahre später, nämlich 2014. Diesem ersten Hoch folgte ein zweites, höheres (der Kopf) im Jahr 2015. Und nun, 2016 – also ein weiteres Jahr später – könnte das dritte, niedrigere Hoch (rechte Schulter) gebildet werden.

Das entscheidende Schwächesignal ist eben dieses rechte, niedrigere Hoch. Denn es belegt, dass es den Bullen nicht mehr gelingt, die Kurse weiter nach oben zu treiben. Die lange zeitliche Ausdehnung (in diesem Fall bereits mehr als zwei Jahre) ist zudem ein Beleg dafür, dass eine übergeordnete Umverteilung von den starken in die schwachen Hände erfolgt.

Das Volumen nicht eindeutig

Überaus wichtig für eine Schulter-Kopf-Schulter-Formation ist das Volumen. Es sollte einen ähnlichen Verlauf nehmen, wie die Kurse selber. Wichtig ist dabei, dass der Umsatz in dieser Formation größer ist als der durchschnittliche Umsatz in der Aufwärtsbewegung. Und hier fehlt es an der Eindeutigkeit. Aber das ist nicht alles:

Bereits in der linken Schulter sollte ein starker Umsatzanstieg zu erkennen sein. Das ist im DAX leider nicht ganz erfüllt. Es ist ein kleiner Anstieg zu erkennen (siehe kleiner blauer Bogen im Chart), aber dieser ist nicht sehr markant. Wenn sich der Umsatz in der linken Schulter derart „schwach“ entwickelt, sollte dafür zumindest im Kopf ein deutlicher Anstieg zu erkennen sein. Das ist hier eindeutig der Fall.

Das eigentliche auffällig bearishe Kriterium ist jedoch, dass bei der Ausbildung der rechten Schulter, also in dem letzten Anstieg, kein nennenswerter Umsatzanstieg mehr zu erkennen ist. Das ist das entscheidende Warnsignal. Und tatsächlich sehen wir, dass die Umsätze seit dem Kopf rückläufig sind (schwarze Linie).

Das Verkaufssignal

Das entscheidende Verkaufssignal entsteht mit Durchbruch durch die sogenannte Nackenlinie. Die Nackenlinie entsteht durch Verbindung des Tiefs zwischen linker Schulter und Kopf und des Tiefs zwischen Kopf und rechter Schulter (siehe dicke blaue Linie). Wird diese Nackenlinie nach unten gebrochen, am besten noch mit einem klar zu erkennenden Umsatzanstieg, existiert eine bis zu 90-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass das Kursziel der Schulter-Kopf-Schulter-Formation erreicht wird.

Die Nackenlinie in der aktuellen SKS

Wir sehen im DAX, dass die SKS eine ansteigende Nackenlinie hat. Normal sind eigentlich waagerechte Nackenlinien. Bei einer ansteigenden Linie sollte die SKS zumindest eine erkennbare Symmetrie zeigen. Diese muss sich auch in den Schultern wiederfinden. Eine solche ist zu erkennen, wenn eine Parallele zur Nackenlinie durch das Hoch der linken Schulter (dünne blaue Linie) genau das Hoch der rechten Schulter trifft. Im Chart erkennen wir zwar, dass der DAX bereits oberhalb dieser Linie notiert, er durch den jüngsten Rückfall aber wieder zu ihr zurückkehrte. Kurz: Er tut sich genau an dieser Linie schwer. Und genau das ist auch der Grund, warum wir jetzt diese mögliche SKS in unsere Analysen einbeziehen müssen.

Die wichtigste Voraussetzung fehlt noch!

Aber: Eine SKS ohne den Bruch der Nackenlinie nach unten hat keine Aussagekraft. Sie kann als ein simples Schwäche-Signal angesehen werden. Im DAX kann es sich auch einfach um eine Konsolidierung um die 10.000er Marke herum handeln. Solange also die Nackenlinie nicht gebrochen wurde, besteht kein Grund zur Sorge. Man sollte allerdings, wenn das geschieht, vorbereitet sein.

Die Wahrscheinlichkeitsbetrachtung

Wie geschrieben, hat eine perfekt ausgebildete SKS eine Eintrittswahrscheinlichkeit auf das Kursziel von bis zu 90 Prozent. Bei der aktuell möglichen SKS im DAX gibt es leichte Abzüge: So ist das Gesamtvolumen in der SKS zwar höher, aber nicht auffallend signifikant. Zudem fehlt eine klare Umsatzspitze in dem Hoch der linken Schulter. Und wir haben eine schräge Nackenlinie. Außerdem wird die SKS an einer großen Widerstandslinie (10.000er Marke) ausgebildet, was ebenfalls das Bild ein wenig verzerrt.

Sollte also vor diesem Hintergrund die Nackenlinie unter hohem Umsatz nach unten brechen, kann man mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit auf das Kursziel von 75-80 Prozent rechnen. Das sollte schon für größere Sorgenfalten ausreichen – insbesondere wenn man sich das Kursziel ansieht:

Das Kursziel

Das Kursziel ergibt sich, indem man die Spanne zwischen Nackenlinie und Kopf von unten an die Nackenlinie anlegt (siehe graue Rechtecke im Chart). Daraus ergibt sich ein Kursziel von 5.000 Punkten im DAX! (Im logarithmischen Chart liegt das Kursziel immer noch bei 6.000 Punkten.) Wenn also der DAX die blaue Nackenlinie nach unten bricht, wird es düster.

Das Ende der SKS

Hinfällig wird diese mögliche SKS, wenn die obere blaue Linie nachhaltig nach oben gebrochen wird. Und die Börsenampel wechselt natürlich vollständig auf Grün, wenn das ehemalige Allzeithoch überwunden werden kann.

In den kommenden Tagen und Wochen werden also wichtige Entscheidungen anstehen, die es abzuwarten gilt. Bleiben Sie vorsichtig, bis sich weitere und klarere bullishe Signale ausbilden.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus

Tradingchancen im DAX

Für weiter steigende Kurse im DAX könnte folgendes Produkt interessant sein:
DAX WAVE Unlimited Call, WKN: DX6X1U, aktueller Hebel: 4,8, Briefkurs: 21,93 Euro

Für wieder fallende Kurse im DAX könnte sich folgendes Tradinginstrument anbieten:
DAX WAVE Unlimited Put, WKN: XM3B20, aktueller Hebel: 8,2, Briefkurs: 12,84 Euro


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›› Termine der kommenden Woche
von Geldanlage-Brief-Team

(KW 35: Handelswoche vom 29.08.2016 bis 02.09.2016)

Sie können die „Termine der kommenden Woche“ auf unserer Homepage einsehen. Dort haben wir für Sie einen Wirtschaftskalender implementiert, der Ihnen neben den Terminen auch noch zusätzliche Informationen (aktuelle und prognostizierten Werte, Erklärungen und Charts zu den einzelnen Daten) liefert.

Termine der kommenden Woche
(Quelle: Investing.com)

Die weiteren Termine der Woche finden Sie auf unserer Internetseite im Wirtschaftskalender.

 


 

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