Wirtschaft und Börse – Mann und Hund

Inhalt dieser Ausgabe

  1. US-Wirtschaft mit leichten Dämpfern im August
  2. Die Wirtschaftserholung im Euroraum gerät ins Stocken
  3. Wirtschaft und Börse – Mann und Hund
  4. Fundamentale Aktienanalyse – Börsenseminar für Fortgeschrittene

 

›› US-Wirtschaft mit leichten Dämpfern im August
von Sven Weisenhaus

Verehrte Leserinnen und Leser,

Sven Weisenhaus, Chefredakteur Geldanlage-Briefbeim Wachstum der US-Wirtschaft muss man mit einem leichten Dämpfer rechnen. Denn am vergangenen Donnerstag zeigte sich der US-Einkaufsmanagerindex des ISM für das verarbeitende Gewerbe überraschend schwach.

Nach Angaben des Institute for Supply Management (ISM) fiel der Index auf 49,4 Punkte und damit erstmals seit Februar 2016 wieder unter die Marke von 50, ab der Wachstum signalisiert wird. Demnach ist die US-Industrie im August überraschend unter die Wachstumsschwelle gefallen.

Ökonomen hatten lediglich einen leichten Rückgang auf 52,0 erwartet, nachdem der viel beachtete Index im Vormonat schon auf 52,6 Zählern leicht gefallen war.

US-Einkaufsmanagerindex des ISM für das verarbeitende Gewerbe

Kritisch ist auch zu werten, dass der Teilindex für den Auftragseingang von 56,9 auf 49,1 Punkte regelrecht einbrach. Zudem ist die Beschäftigungskomponente mit einem Rückgang von 49,4 auf 48,3 deutlicher unter die Wachstumsschwelle gefallen. Sie deutet damit an, dass der Beschäftigungsaufbau bereits seinen Höhepunkt erreicht haben könnte.

Neben den Einkaufsmanagern enttäuschte auch der Arbeitsmarkt

Dazu passt auch der US-Arbeitsmarkt, der im August einen leichten Dämpfer erhalten. Wie am Freitag gemeldet wurde, stieg die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft nur um 151.000. Volkswirte hatten dagegen einen Stellenzuwachs um 180.000 erwartet, nachdem im Juli noch 275.000 und im Juni 271.000 Jobs entstanden waren.

Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft

Die separat erhobene Arbeitslosenquote verharrte im August bei 4,9 Prozent.

US-Arbeitslosenquote

Zinsanhebung im September unwahrscheinlicher

Mit diesen Zahlen dürfte die Chance für eine Zinserhöhung bei der Fed-Sitzung am 20./21. September weiter gesunken sein. Die damit verbundene Aussicht auf weiterhin billiges Geld von der Notenbank hat am Freitag zu entsprechenden Kursreaktionen geführt. Die Aktienkurse und die Edelmetalle konnten zulegen, während der US-Dollar etwas schwächelte.

Moderate Abweichung führt zu moderaten Kursrektionen

Insgesamt blieben die Kursbewegungen nach dem US-Arbeitsmarktbericht moderat. Dies lässt sich damit erklären, dass die Abweichung von der Erwartung relativ gering war und damit ein negativer (oder auch positiver) Schock ausblieb. So konnten die Investoren mit dem jüngsten Stellenbericht durchaus zufrieden sein und er damit schnell zum Non-Event werden.

 



›› Die Wirtschaftserholung im Euroraum gerät ins Stocken
von Sven Weisenhaus

Neben den schwachen Zahlen aus den USA gab es in dieser Woche auch neue Anzeichen, dass die Erholung der Wirtschaft in der Eurozone immer mehr ins Stocken gerät. So hat Eurostat, das statistische Amt der Europäischen Union, am Mittwoch gemeldet, dass die saisonbereinigte Arbeitslosenquote des Euroraums im Juli 2016 bei 10,1 Prozent und damit unverändert gegenüber dem Vormonat lag (siehe blaue Kurve in der folgenden Grafik).

Das ist zwar nach wie vor die niedrigste Quote, die seit Juli 2011 im Euroraum verzeichnet wurde, doch ein Blick auf die Grafik zeigt, dass die Erholung am Arbeitsmarkt stagniert und schon seit April auf dem aktuellen Niveau verharrt (roter Kreis).

Entwicklung der Arbeitslosenquoten im Euroraum (blau) und in der EU (rot)
(Quelle Eurostat) Entwicklung der Arbeitslosenquoten im Euroraum (blau) und in der EU (rot)

Vor diesem Hintergrund verwundert es auch kaum, dass die Inflation ebenfalls nicht weiter steigt. Wie aus einer ebenfalls am vergangenen Mittwoch veröffentlichen Meldung von Eurostat hervorgeht, wird die jährliche Inflation des Euroraums im August nach einer ersten Schätzung mit +0,2 Prozent unverändert gegenüber Juli und damit weit entfernt von der 2-Prozent-Zielrate der Europäischen Zentralbank (EZB) bleiben.

Liquidität der EZB findet nur begrenzt Abnehmer

Trotz aller Bemühungen und einer ultralockeren Geldpolitik scheint es der Notenbank bisher nicht zu gelingen, Schwung in die Wirtschaftsaktivitäten zu bringen. Ihr dürfte es auch ein Dorn im Auge sein, dass selbst die Expansionsrate der Geldmenge M3 für den Euroraum mit dem Rückgang der Jahresrate auf 4,8 Prozent im Juli (Juni 2016: 5,0 %) enttäuschte.

Entwicklung der Arbeitslosenquoten im Euroraum (blau) und in der EU (rot)
(Quelle: EZB)

Offenbar kann niemand etwas mit der massenhaften Liquidität anfangen, welche die EZB anbietet. Wohl, weil die Zinsen niedrig sind und sich daher Anlegen nicht lohnt und das Wachstum niedrig ist und sich daher Neu-Investitionen nicht lohnen. Deswegen wird das Geldangebot nur begrenzt angenommen.

Banken horten bei der EZB mehr als eine Billion Euo

Dazu passt auch die aktuelle Meldung, dass die sogenannten Überschussreserven der Banken im Euroraum bei der EZB ein neues Rekordniveau erreicht haben. Sie belaufen sich derzeit auf fast 1.023 Milliarden Euro. Normalerweise liegt der Wert nahe null. Aufgrund der massiven Wertpapierkäufe der EZB sind die Guthaben der Banken aber auf dramatisch angeschwollen.

Eigentlich sollen die Anleihenkäufe der EZB die Kreditvergabe in der Eurozone ankurbeln. Im ersten Schritt gelingt dies, denn offenbar schwimmen die Geldhäuser in Geld und könnten somit massenhaft Kredite ausgeben. Doch offenbar kann die Wirtschaft dieses Geld aus den oben genannten Gründen nicht gebrauchen. Die Maßnahmen der EZB laufen also ins Leere.

Dramatisch ist dies für die Banken. Denn für sie ist das eigentlich ein Minusgeschäft, weil die EZB für das geparkte Geld derzeit einen Negativzins von minus 0,4 Prozent nimmt (Einlagesatz, engl.: deposit facility). Die Kursgewinne der vorher an die EZB verkauften Anleihen dürften diese Verluste ein wenig mindern. Doch nicht auf Dauer, weshalb diese Entwicklung irgendwann zu einem großen Problem werden könnte.

Zugpferd schwächelt

Und daran dürfte sich auf absehbare Zeit auch nichts ändern. Denn die bisherigen Zuwächse bei der europäischen Produktion und Beschäftigung waren zu einem Großteil auf die boomende deutsche Industrie zurückzuführen, die aber inzwischen auch mehr und mehr zu schwächeln scheint (siehe Geldanlage-Brief vom vergangenen Mittwoch).

Die Weltbank erwartet bislang für dieses und auch das nächste Jahr ein Wachstum von 1,6 Prozent für die Europäische Union (EU). Ich bin gespannt, wann diese Prognose nach unten revidiert wird. Und man muss sich unter diesen Voraussetzungen fragen, warum sich die Aktienindizes wie der Euro STOXX 50 oder auch der DAX auf ihren erreichten Niveaus halten können. Eine Antwort auf diese Frage erhalten Sie nachfolgend.

 



›› Wirtschaft und Börse – Mann und Hund
von Sven Weisenhaus

Ihnen ist sicherlich aufgefallen, dass die Analysen der fundamentalen volkswirtschaftlichen Daten in den vergangenen Wochen überwiegend pessimistisch ausfielen. Auf der anderen Seite präsentieren sich die Aktienmärkte eher positiv. Es gab eine Vielzahl von charttechnischen Signalen, die bullish zu werten sind. Vermeintlich ist das ein Widerspruch. Doch Wirtschaft und Börse sind zwar verbunden, sie laufen aber keineswegs synchron, auch nicht mit einem starren Vor- oder Nachlauf. Dies ist ein Denkfehler, dem vor allem volkswirtschaftlich geschulte Analysten oft unterliegen.

Kostolany beschrieb dieses Verhältnis sehr treffend einmal so: Die Wirtschaft ist wie ein Mann, der mit seinem Hund (die Börse) Gassi geht. Eher selten läuft der Hund brav neben seinem Herrchen her. Stattdessen läuft er meist aufgeregt vorneweg oder hechelt manchmal hinterher. Doch es gibt immer die Leine, die beide miteinander verbindet. Und die Leine macht deutlich, dass der Abstand zwischen der Entwicklung von Börse und Wirtschaft zwar eine Zeitlang recht groß werden kann, doch irgendwann wird das Hündchen (die Börse) sich seinem Herrchen (der Wirtschaft) wieder nähern.

Der Hund läuft dem Mann voraus

Und ein solches Phänomen, das durch diesen Vergleich perfekt beschrieben wird, sehen wir gerade. Die Wirtschaft, also das Herrchen, scheint in Europa und Deutschland nun langsamer zu gehen, der Hund jedoch läuft weiter. Damit hat sich die Leine gespannt.

Und nun gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten, wie sich die Leine wieder entspannt: Entweder das Herrchen läuft bald wieder schneller oder der Hund langsamer. Gegebenenfalls läuft der Hund sogar zum Herrchen zurück. Es kann sogar sein, dass er wieder hinter das Herrchen gerät.

(Unserem „Geldanlage Premium Depot“ kann es egal sein, welche der beiden Varianten eintritt. Denn wir haben es durch einige kürzlich getätigte Transaktionen auf beide Szenarien vorbereitet. – Brauchen Sie Unterstützung in der aktuellen Marktsituation? Dann melden Sie sich jetzt hier an! Sie gehen kein Risiko ein, denn Sie können unseren Börsendienst „Geldanlage Premium Depoteinen vollen Monat lang kostenlos im Probe-Abonnement testen.)

Wie wird sich die Leine entspannen?

Im Moment können wir nur erkennen, dass sich die Leine spannt. Wir können jedoch noch nicht sicher sein, wie sich die Situation auflöst. Und so müssen wir jetzt sowohl weiterhin die Konjunkturdaten analysieren als auch die Charts im Auge behalten.

Anleger setzen auf ein höheres Schritttempo beim Herrchen

Im DAX steigen die Notierungen bereits seit dem Februar-Tief wieder, wenn auch mit einer längeren Konsolidierung (blaues Rechteck). Bis zur oberen dicken roten Linie war es aber nicht mehr, als eine typische Erholung innerhalb eines übergeordneten Abwärtstrends. Erst mit dem Ausbruch aus dem Trendkanal wurde ein klar bullishes Zeichen gesetzt.

DAX - Chartanalyse

Offenbar sind die Anleger optimistisch und zuversichtlich, dass die wirtschaftliche Abschwächung, die sich in den jüngsten Wirtschaftsdaten zeigt, nur vorübergehend sein wird. Sie setzen also darauf, dass das Herrchen bald wieder schneller geht.

Charts sind auch ein Spiegelbild der Anlegerstimmung

Damit sie Recht behalten, müssten bald auch wieder bessere Konjunkturdaten veröffentlich werden. Geschieht das nicht, wird die Wirtschaft die Kurse höchstwahrscheinlich wieder einfangen und mit sich abwärts ziehen. Wenn sich der Ausbruch also als Fehlsignal herausstellen sollte, dürfte dies ein Anzeichen dafür sein, dass die Anleger von der anhaltenden wirtschaftlichen Schwäche verunsichert werden. Ein wenig können wir das bereits aktuell erkennen (gelbes Rechteck). Steigen die Kurse hingegen bald weiter, können wir davon ausgehen, dass auch die Wirtschaft wieder Tritt fasst.

Immer wenn Börse und Wirtschaft sich gegensätzlich entwickeln, wird es für uns Börsianer schwierig. Sobald sich dann jedoch zeigt, welche der beiden Faktoren „falsch“ läuft, ergeben sich oft höchst lukrative Einstiegsmöglichkeiten...

In unserem „Geldanlage Premium Depot“ nutzen wir diese Chancen regelmäßig. Wollen auch Sie diese Chancen nutzen? Dann melden Sie sich jetzt hier an! Sie gehen kein Risiko ein, denn Sie können unseren Börsendienst „Geldanlage Premium Depoteinen vollen Monat lang kostenlos im Probe-Abonnement testen.)


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus


Tradingchancen im DAX

Für weiter steigende Kurse im DAX könnte folgendes Produkt interessant sein:
DAX WAVE Unlimited Call, WKN: DX6X1U, aktueller Hebel: 4,5, Briefkurs: 23,70 Euro

Für wieder fallende Kurse im DAX könnte sich folgendes Tradinginstrument anbieten:
DAX WAVE Unlimited Put, WKN: XM3B20, aktueller Hebel: 9,8, Briefkurs: 10,95 Euro

 



›› Fundamentale Aktienanalyse – Börsenseminar für Fortgeschrittene
von Geldanlage-Brief

Ob Einsteiger oder Profi – die Börse Düsseldorf bietet wieder Seminare zu wichtigen Themen rund um die Geldanlage und den Wertpapierhandel an. Erfahrene Referenten vermitteln Expertenwissen und geben praxisnahe Tipps. Diese sollen den Teilnehmern dabei helfen, Anlageentscheidungen selbstständig und kompetent treffen zu können und an der Börse erfolgreich zu handeln.

Fundamentale Aktienanalyse
- Relevante Informationen ermitteln, verstehen und bewerten

Was sind die Gründe, Aktien eines bestimmten Unternehmens zu kaufen? Professionelle Investoren interessieren sich zum Beispiel für das Geschäftsfeld und die Kennzahlen eines Unternehmens, um eine Bewertung vornehmen zu können.

In einem zweiteiligen Seminar können auch Sie nun erfahren, auf welche Informationen es dabei ankommt, wo man diese findet und wie man sie als Grundlage einer persönlichen Einschätzung in Beziehung setzt. Damit werden Sie in die Lage versetzt, wie ein Profi zu handeln.

Theoretisches Fachwissen wird in diesem Seminar durch praxisnahe Anwendung mit Beispielen aus dem aktuellen Börsenkontext vertieft.

Sven Weisenhaus, Chefredakteur Geldanlage-BriefReferent dieses Seminars ist Ihr Chefanalyst des Geldanlage-Briefs - Sven Weisenhaus.

Termine: 20. und 27.09.2016, jeweils von 18:00 Uhr bis ca. 20:00 Uhr

Zielgruppe: Fortgeschrittene Privatanleger (= bereits Erfahrungen mit eigenen Wertpapiergeschäften)

Anmeldung: www.boerse-duesseldorf.de/seminare

Teilnahmegebühr: 25,- Euro inkl. MwSt. (für beide Termine zusammen), Mitglieder im Quality Trader Club der Börse Düsseldorf erhalten 20 % Nachlass

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