Im DAX fehlen Anschlusskäufe +++ Russland und Saudi-Arabien sorgen für Ruhe am Ölmarkt

Inhalt dieser Ausgabe

  1. Der ISM-Index von August und andere Merkwürdigkeiten
  2. Im DAX fehlen Anschlusskäufe
  3. Russland und Saudi-Arabien sorgen für Ruhe am Ölmarkt

 

›› Der ISM-Index von August und andere Merkwürdigkeiten
von Torsten Ewert (Analyse vom 05. September 2016)

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

Torsten EwertSven Weisenhaus hatte am Sonntag schon kurz berichtet, dass der ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe in den USA im August unerwartet schwach ausgefallen ist (siehe "US-Wirtschaft mit leichten Dämpfern im August"). Es handelt sich dabei um das vorerst letzte Glied in einer Kette von Merkwürdigkeiten bei ähnlichen Umfragewerten. Lassen Sie uns schauen, was es damit auf sich haben könnte.

Massive Enttäuschung durch den ISM-Index

Zunächst die Fakten: Der ISM-Index sackte im August von 52,6 auf 49,4 Punkte ab. Das war nicht nur deutlich weniger als der Durchschnittswert aller Erwartungen (52,2). Der Index lag damit auch erheblich unter dem niedrigsten erwarteten Wert (51,3). „Unerwartet schwach“ ist also eher eine Untertreibung. Der August-Wert ist vielmehr eine massive Enttäuschung!

Hinzu kommt, dass der Rückgang mehr als drei Punkte betrug. Einen Rückgang in solchem Ausmaß gab es in den vergangenen 20 Jahren insgesamt nur elf Mal. Zuletzt war das im Januar 2014 der Fall, als eine extreme Kältewelle weite Teile der USA lahmlegte. Davor verschlechterte sich die Stimmung während des Haushaltstreits in den USA 2011 derart stark.

Ein dritter Punkt, der Besorgnis erregt, ist der Rückfall unter die wichtige 50-Punkte-Marke. Sie kennen das inzwischen von den diversen Einkaufsmanagerindizes, die auch hier im Geldanlage-Brief schon mehrfach besprochen wurden: Die 50-Punkte-Marke ist die Grenze zwischen Expansion und Kontraktion des jeweiligen Wirtschaftsbereiches, also die Scheidemarke zwischen Wachstum und Schrumpfen. Wenn es also nach dem ISM-Index geht, dann droht in den USA nun ein Rückgang der Wirtschaftsleistung des verarbeitenden Sektors.

Vorbote der Rezession oder Non-Event?

Wenn das geschieht, dann ertönen rasch Stimmen, die vor einer Konjunkturverschlechterung warnen. Häufig wird dann auch das böse R-Wort (Rezession) bemüht. Allerdings weist ein Wert unter 50 Punkten beim ISM-Index womöglich auf ein Schrumpfen des verarbeitenden Gewerbes hin, nicht jedoch auf ein Schrumpfen der Gesamtwirtschaft in den USA. Der Grund: Der verarbeitende Sektor ist inzwischen nur noch für rund 12 Prozent der US-Wirtschaftsleistung verantwortlich. Das Gros machen Dienstleistungen und der Konsum aus. Das ISM (Institute for Supply Management), das die Daten erhebt, geht daher mittlerweile erst bei einem ISM-Index des verarbeitenden Gewerbes unterhalb von 43,2 Punkten von einer möglichen Rezession aus. Bis dahin ist also noch viel „Luft“.

Können wir also einfach zur Tagesordnung übergehen und diesen ersten negativen Hinweis des ISM-Index vorerst ignorieren? Nun, wir sollten uns zumindest die Mühe machen und eine Einordnung versuchen. Die US-Wirtschaft wird datentechnisch von verschiedenen Instituten bestens „überwacht“. Und mit den Einkaufsmanagerindizes (PMI) von IHS Markit stehen gute Vergleichswerte zur Verfügung. Erfreulicherweise hat Markit am selben Tag wie das ISM seine Augustdaten veröffentlicht. Und siehe da, der Markit-PMI für das verarbeitende Gewerbe zeigt keinen so drastischen Rückgang wie der ISM-Index (siehe gelbe Ellipse im folgenden Chart):

PMIs im Vergleich
(Quellen: Institute for Supply Management, investing.com)

Zu erkennen ist zudem, dass der Markit-PMI auch Ende 2015/2016 nicht so stark zurückfiel wie der ISM-Index, der damals schon unter die 50-Punkte-Marke rutschte (siehe roter Pfeil). Da ISM-Index und Markit-PMI sonst recht gut übereinstimmen, liegt der Verdacht nahe, dass der ISM-Index gelegentlich nach unten (aber auch oben) übertreibt.

Erstaunliche Begründungen

Das ISM selbst liefert eine erstaunliche Begründung für diesen jüngsten Ausschlag nach unten. Der Chef der Umfrage beim ISM wird in diesem Zusammenhang mit den Worten zitiert: „Ich denke, das ist nur ein einmaliger Fall. Es kann sogar ein Ausrutscher sein, [z.B. durch] eine Korrektur bei den Lagerbeständen“. Denn auch die vom ISM zu jeder Umfrage gelieferten Kommentare der Umfrageteilnehmer zeigen, dass es so schlimm um die US-Industrie nicht stehen kann. Da ist von „starker Nachfrage“ und „guten Geschäften“ oder „steigenden Umsätzen“ die Rede. Die negativen Äußerungen beklagen dagegen schlimmstenfalls „gleichbleibende Geschäfte“ und dass es mehr Aufträge geben könnte – gemessen an den vielen Anfragen.

Aber der ISM-Index ist nicht das einzige Stimmungsbarometer, das zurzeit einige Auffälligkeiten zeigt. Auch andere umfragebasierte Konjunkturindikatoren reagierten zuletzt unerwartet stark. So fiel der jüngste Wert des deutschen ifo-Geschäftsklima deutlich zurück (siehe Geldanlage-Brief vom 31.08.2016). In den Kommentaren wurde dies mit Sorgen vor den wirtschaftlichen Auswirkungen des Brexits in Verbindung gebracht.

Dem geneigten Beobachter stellte sich schon damals die Frage, warum deutsche Manager zwei Monate brauchen sollten, um ihre Sorgen vor dem Brexit auszudrücken, der ja bereits seit Juni bekannt ist. Genau eine Woche nach dem ifo-Index erschien der Markit PMI für das britische verarbeitende Gewerbe. Hier sprang der Wert nicht nur auf den höchsten Wert seit zehn Monaten und mit 53,3 Punkten klar über die neuralgische 50-Punkte-Marke, unter die er im Juli gesackt ist. Dieser Anstieg vom August ist auch der stärkste in der Geschichte dieses Index und zeigt, dass zumindest in Großbritannien die Sorgen vor dem Brexit zunächst weitgehend verflogen sind.

Brexit: kein Thema für die Briten, also auch nicht für die Deutschen

In gewisser Weise macht das sogar Sinn. Das schwache Pfund bedeutet für britische Exporteure einen handfesten Vorteil: Ihre Produkte werden im Ausland billiger. Ist es also gar nicht die Sorge vor dem Brexit, die den ifo-Index einbrechen ließ, sondern haben die deutschen Unternehmen einfach nur Angst vor der britischen Konkurrenz?

Das wiederum ist sehr unwahrscheinlich. Trotz langer Tradition ist die britische Fertigungsindustrie längst nicht mehr so leistungsfähig wie die deutsche. Zudem sind deutsche Firmen immer noch geschätzte Zulieferer in Großbritannien. Und wenn dort nun wieder das Geschäft brummt, dann sollten auch deutsche Unternehmen davon profitieren. Die vermeintlichen oder tatsächlichen Folgen des Brexit können also kein Grund für den schwachen ifo-Index sein. Da es jedoch ein umfragebasierter Index ist, spielt hier sicherlich die Psychologie eine entscheidende Rolle.

Das neue Phänomen der „Wellblechkonjunktur“

Diese ist wohl der Hauptgrund, warum wir immer wieder so starke und unerklärliche Schwankungen von ISM, ifo und Co. sehen. Zusätzlich verstärkt wird dieser Einfluss durch die sogenannten „Wellblechkonjunktur“, die seit geraumer Zeit in etlichen entwickelten Ländern zu beobachten ist. Darunter verstehen Ökonomen, dass die früheren stark ausgeprägten Konjunkturzyklen – der klare Wechsel zwischen Wirtschafts-Boom und Rezession – abnehmen und dafür kleinere, aber schnellere wirtschaftliche Schwankungen zu beobachten sind.

Diese schlagen sich dann auch in den Umfragewerten der Unternehmen wieder. So sind im ISM-Index – dessen Historie immerhin bis 1948 zurückgeht – die Ausschläge seit den 1980er Jahren deutlich zurückgegangen (siehe folgender Chart).

Wellblechkonjunktur im ISM-Index
(Quelle: Institute for Supply Management)

Die 60-Punkte-Marke z.B., die in früheren Jahrzehnten im Aufschwung regelmäßig überschritten wurde, ist mittlerweile fast eine No-Go-Area für den ISM-Index geworden (siehe grüne Linie). Und seit dem Jahrtausendwechsel haben Rücksetzer unter die 50-Punkte-Marke außerhalb von Rezessionen (grau schattierte Zeiträume) Seltenheitswert. Auch das war in früheren Zyklen deutlich anders.

Noch auffallender ist dieses Verhalten im Markit PMI für die Eurozone:

Wellblechkonjunktur im Markit-Euroraum-PMI
(Quelle: investing.com)

Natürlich führten die Finanzkrise und auch die Euroschuldenkrise ab 2011 zu starken Ausschlägen der Unternehmensstimmung. Aber seit 2015 dümpeln die Werte einfach nur dahin, seit mehr als einem Jahr sogar in einer extrem engen Spanne (gelbes Rechteck). Belastbare Prognosen lassen die Werte daher kaum noch zu – wir sehen nur noch ein Art „Rauschen“. (Passend dazu sind seitdem übrigens auch die Aktienindizes tendenziell in eine Seitwärtsphase übergegangen.)

Kleine Ursachen, große Auswirkungen

Die Ursache für diese Entwicklung ist die abnehmende Bedeutung der Fertigungsindustrien für die Wirtschaft der entwickelten Länder. Deutschland ist dabei noch eine der wenigen Ausnahmen, aber auch hierzulande ist der Dienstleistungssektor längst bedeutsamer als die Industrie. Hinzu kommt, dass in den vergangenen Jahren – nicht zuletzt durch die Niedrigzinspolitik der weltweiten Notenbanken – die Investitionen auf Mehrjahrestiefs gesunken sind (siehe Geldanlage-Brief vom 04.09.2016). Die Konjunktur wird also fast überall nur vom Konsum und vom Dienstleistungssektor getragen.

In den Umfragewerten der Unternehmen macht sich dieser allmähliche Bedeutungsrückgang allerdings kaum bemerkbar. Hier wird nur nach relativen Änderungen gefragt (besser oder schlechter als im Vormonat). Ab einem bestimmten sehr niedrigen Niveau bleiben die weiteren Änderungen dann meist nur noch gering – ein „Grundrauschen“ an Aufträgen zum Beispiel geht schließlich immer ein. Dementsprechend dümpeln dann auch die Umfragewerte dahin.

Wenn es dann doch einmal zu stärkeren Änderungen kommt, schlagen sich diese natürlich auch stärker in den Umfragen nieder. Das heißt aber noch nicht, dass deshalb schon eine Rezession oder ein Boom vor der Tür steht. Es ist eben alles relativ.

Welche Frühindikatoren die besten sind

Uns Investoren erschweren diese Effekte sicherlich die Arbeit. Die Einkaufsmanagerindizes, die eigentlich gute Frühindikatoren sind, könnten uns öfter mal in die Irre führen – so wie es im August vermutlich der ISM-Index getan hat. Als Alternative bleiben uns aber wenigstens die Charts. Denn Börsenkurse sind immer noch die besten Frühindikatoren, die es gibt.

Und diese setzten Ende vergangener Woche eindeutige Zeichen: Nach einer kurzen negativen Reaktion auf den schwachen ISM-Index erholten sich die Kurse noch am gleichen Tag wieder. Auch die schwachen Arbeitsmarktdaten vom folgenden Tag steckten die Märkte gut weg – und stiegen danach sogar weiter. Bislang machen sich die Anleger also noch keine Sorgen wegen der Konjunktur. Durch die Merkwürdigkeiten von ISM und Co. lassen sie sich vorerst jedenfalls noch nicht aus der Ruhe bringen.


Mit besten Grüßen

Ihr Torsten Ewert

 



›› Im DAX fehlen Anschlusskäufe
von Sven Weisenhaus

Verehrte Leserinnen und Leser,

Sven Weisenhaus, Chefredakteur Geldanlage-Briefin den USA war wegen des Feiertags „Labor Day“ (Tag der Arbeit) am Montag die Börse geschlossen. Impulse von der Wall Street bleiben somit aus. Und dies wirkte sich auch auf den DAX aus.

Nach einem bullishen Impuls kam der Handel fast zum Erliegen

Zu Beginn der Woche konnten die Kurse zwar noch mit einer Aufwärtslücke relativ dynamisch in den Handel starten (siehe blaue Ellipse im folgenden Chart). Ein Grund war unter anderen der Einkaufsmanagerindex für den chinesischen Dienstleistungssektor. Denn dieser gewann im August deutlich an Schwung. Der vom Markit-Instituts und dem Medienhaus Caixin ermittelte Index stieg von 51,7 Punkten im Juli auf nun 52,1 Zähler. Wie in der Analyse oben von meinem Kollegen Torsten Ewert bereits beschrieben, zeigt ein Stand oberhalb von 50 Punkten Wachstum an. Anleger feierten also die Hoffnung, dass Chinas Wirtschaft wieder an Schwung gewinnt. Doch nach dem verheißungsvollen Wochenstart dümpelten die Kurse nur noch in immer engeren Bahnen vor sich hin, bis das Geschäft an der Börse am Montag fast zum Erliegen kam.

Daran konnte auch der Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor des Vereinigtes Königreichs nichts ändern. Dieser ist zum Vormonat um stolze 5,5 Punkte auf 52,9 Punkte gestiegen und hat damit den 4,9-Punkte-Rückgang vom Brexit-Votum mehr als wettgemacht. Wie (auch in der Analyse oben) schon zu diesem Thema geschrieben, sind die kurzfristigen Auswirkungen des Brexit-Votums in Großbritannien zunächst wenig belastend.

Dem DAX mangelt es seit Tagen an Schwung

Gegen Ende des Handels am Montag bröckelten die Kurse im DAX noch etwas ab, womit die anfänglichen Gewinne vollständig egalisiert wurden. Dadurch wurde der Handelstag im deutschen Leitindex zum absoluten Non-Event. Das Problem an der Sache ist, dass sich diese Tendenz auch heute noch fortsetzte und dem DAX insgesamt weiterhin der Schwung fehlt. Er fluktuiert lediglich in engen Bahnen um die 10.700er Marke (rote Linie im Chart oben).

Zwar bewegt er sich damit oberhalb der kurzfristigen Seitwärtsrange von ca. 10.440 bis 10.660 Punkten, womit der mehrfach erfolgreiche Test des Ausbruchsniveaus (grüne Pfeile im folgenden Chart) etwas nachhaltiger wurde. Doch es fehlen die dynamischen Anschlusskäufe, die gewöhnlich auf einen solchen Ausbruch bzw. Test des Ausbruchsniveaus folgen. Deshalb wurde auch die Ausbruchskerze, die vor einer Woche Hoffnung machte (siehe Geldanlage-Brief vom 31. August), bislang nicht bestätigt. Stattdessen hangelt sich der Index nur sehr gemächlich entlang einer grau gestrichelten Linie weiter aufwärts (roter Pfeil).

DAX - Chartanalyse nach der Target-Trend-Methode

Es liegt dadurch nach wie vor kein starkes Indiz für weiter steigende Kurse vor. Zwar ist die Mittellinie bei 10.815 Punkten, ein Widerstand aus der Target-Trend-Methode, als Kursziel der Bullen in greifbare Nähe gerückt, doch wie die beiden Intraday-Rücksetzer vom Ende der vergangenen Woche gezeigt haben, kann die wichtige Unterstützung bei 10.460 Punkten auch schnell wieder erreicht und sogar gebrochen werden.

Was nicht steigt, fällt!

Um nicht doch noch in die saisonale Herbstschwäche zu geraten, muss der DAX demnach bald liefern. Gemeint sind damit möglichst dynamisch steigende Kurse. Sonst kann ein Widerstand, wie die Mittellinie bei 10.815 Punkten, zwar als Kursziel erreicht, aber sicher nicht leicht überwunden werden. Und an der Börse gibt es ein Sprichwort: Was nicht steigt, fällt! Und mit stärkeren Kursverlusten muss man rechnen, wenn der DAX doch noch unter das April-Hoch zurückfällt.

 



›› Russland und Saudi-Arabien sorgen für Ruhe am Ölmarkt
von Sven Weisenhaus

In den vorangegangenen beiden Analysen der heutigen Ausgabe des Geldanlage-Briefs standen die Einkaufsmanagerindizes im Mittelpunkt. Sie sollen als Frühindikatoren einen Hinweis darauf geben, wie sich die Wirtschaft zukünftig entwickelt. Während sich die Daten aus China und dem Vereinigtes Königreich besserten (siehe Analyse "Im DAX fehlen Anschlusskäufe"), hatte der ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe in den USA im August massiv enttäuscht (siehe Analyse von Torsten Ewert).

Torsten Ewert verwies allerdings darauf, dass der verarbeitende Sektor in den USA inzwischen nur noch für rund 12 Prozent der US-Wirtschaftsleistung verantwortlich ist und das Gros Dienstleistungen und der Konsum ausmache. Daher wurde gestern der ISM-Dienstleistungsindex mit Spannung erwartet.

US-Dienstleistungssektor enttäuscht ebenfalls massiv

Auch dieser enttäuschte die Erwartungen massiv. Denn während Experten mit einem nur leichten Rückgang von 55,5 im Juli auf nun 55,0 Zähler gerechnet hatten, brach das Barometer für die Service-Branche auf 51,4 Punkte förmlich ein. Der Index fiel damit (-4,1) sogar noch deutlich stärker als der Index für das verarbeitende Gewerbe (-3,2) und zudem auf den niedrigsten Stand seit Februar 2010.

ISM Dienstleistungsindex USA

Zinsanhebung im September unwahrscheinlich

Zwar liegt der Wert hier noch oberhalb der Schwelle von 50 Punkten, ab der Wachstum signalisiert wird, dennoch dürfte damit eine Zinsanhebung der US-Notenbank auf Ihrer nächsten Sitzung am 21. September wohl vom Tisch sein. Die Fed wird es kaum riskieren, eine vermeintlich schwächelnde Wirtschaft auch noch mit höheren Zinsen zu belasten. Da verwundert es auch kaum, dass die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September nach der Vorlage der ISM-Zahlen laut der CME Group auf nur noch 15 Prozent fiel.

DAX setzt enge Seitwärtsbewegung unbeeindruckt fort

Und wie reagierten die Aktienmärkte auf die Daten? Sie zeigten keinerlei Regung und pendelten weiterhin unter extrem niedriger Volatilität vor sich hin. Der DAX tendiert heute schon den dritten Tag in Folge in der 80-Punkte-Range zwischen 10.660 und 10.740 Zählern.

Ölpreis markierte ein höheres Tief

Deutlich mehr Bewegung ist da weiterhin im Ölpreis. Am Donnerstag vergangener Woche markierte die US-Sorte WTI bei exakt 43 USD ein höheres Tief.

Rohöl der Sorte WTI - Chartanalyse

Seitdem tendieren die Notierungen wieder tendenziell aufwärts. Getrieben wurden sie dabei von Meldungen, wonach die beiden weltgrößten Ölexporteure Saudi-Arabien und Russland ihren Willen zur Zusammenarbeit bekräftigt haben.

Saudi-Arabien und Russland schließen ein Abkommen

Am Rande des G-20-Treffens in China schlossen die beiden Länder am vergangenen Wochenende ein Abkommen für eine engere Zusammenarbeit. Sie wollen in einer Arbeitsgruppe gemeinsame Schritte gegen die anhaltend niedrigen Ölpreise ausloten. Das sagte der saudi-arabische Ölminister Khalid al-Falih am Montag auf einer Pressekonferenz in der chinesischen Stadt Hangzhou. Sein russischer Amtskollege Alexander Nowak fügte hinzu, dass die Kooperation darauf abziele, die Ölmärkte zu stabilisieren. Dies beinhalte auch die Möglichkeit einer Produktionsbegrenzung.

Ölpreis pendelt sich auf dem prognostizierten Niveau ein

Nachdem in der vergangenen Woche die belastenden Meldungen überwogen (siehe dazu auch meine Analyse im Stockstreet-Newsletter "Börse-Intern" vom 2. September), ging es für die Ölpreise mit diesen News im Nacken am Montag wieder steil nach oben. Im Hoch wurden sogar schon wieder Notierungen von über 46,50 USD erreicht. Doch noch am selben Tag wurde der Anstieg auch schon wieder ein wenig gedämpft. Denn Falih legte nach: Ein Einfrieren des Produktionsniveaus sei nur eine von mehreren bevorzugten Möglichkeiten und derzeit nicht nötig.

Dennoch reichte bereits die Ankündigung, die Ölpreise stabilisieren zu wollen, um sie tatsächlich zu stabilisieren. Denn seit dem höheren Tief pendelt sich der Preis im Bereich von rund 45 USD ein und damit exakt auf dem Niveau, das im Falle eines höheren Tiefs angesteuert werden sollte (siehe Börse-Intern vom vergangenen Freitag und Geldanlage-Brief vom 21. August).

Und es ist weiterhin davon auszugehen, dass sich der ständige Wechsel zwischen positiven und negativen Meldungen abwechselt und sich der Kurs weiter auf dem aktuellen Niveau beruhigt, ganz so, wie es das neue Abkommen zwischen Russland und Saudi-Arabien vorsieht.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus

 


 

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