Elliott-Wellen

- Eine faszinierende Methode der Chartanalyse


An der Börse geht es stets um Wahrscheinlichkeiten

An der Börse gibt es keine Sicherheit, hier geht es immer nur um Wahrscheinlichkeiten. Niemand weiß, welcher Kurs sich zukünftig in welche Richtung bewegen wird. Die Wahrscheinlichkeit für einen Kursanstieg bzw. für einen Kursrückgang liegt aus Sicht eines Anlegers ohne eine Analyse einer bestimmten Aktie oder eines anderen handelbaren Wertpapiers bei 50:50.

Man hat jedoch durch eine umfassende Analyse die Möglichkeit, die Wahrscheinlichkeit zu seinen Gunsten zu verschieben. Je mehr man über eine Aktie bzw. das börsennotierte Unternehmen oder ein sonstiges Wertpapier weiß, umso leichter lässt sich eine Kursprognose erstellen. Für eine derartige Analyse (siehe auch "Aktien-Analyse") stehen die Methoden der Fundamentalanalyse und die der charttechnischen Analyse zur Verfügung.

Die Elliott-Wellen-Theorie - Eine Methode der charttechnischen Analyse

Die Theorie der Elliott-Wellen ist der charttechnischen Analyse zuzuordnen und wurde vom Amerikaner Ralph Nelson Elliott (1871 - 1948) bereits in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts (!) entwickelt. Elliott analysierte über Monate hinweg akribisch den US-Aktienmarkt, vorwiegend den Dow Jones Industrial Avarage (DJIA).

Kursmuster wiederholen sich auf verschiedenen Zeitebenen

Dabei erkannte er, dass sich die Preisschwankungen und Kursmuster bei Aktienmärkten innerhalb von wenigen Tagen verblüffend mit den Verläufen über Monate oder Jahre hinweg ähnelten. Er entdeckte die zyklische und fraktale (selbstähnliche) Ausbreitung von Wellenmustern in Kursbewegungen des Dow Jones-Index (DJIA).

Fraktale Selbstähnlichkeit – ein Phänomen der Natur

„Fraktale“ sind Objekte, die aus mehreren verkleinerten Kopien ihrer selbst bestehen. Die fraktale Selbstähnlichkeit ist eigentlich ein Phänomen aus der Natur:

  • Ein Baumzweig sieht wie ein kleiner Baum aus.
  • Das Teilstück eines Farns sieht ziemlich genau so aus wie das gesamte Blatt.
  • Der Pyramidenblumenkohl (Romanesco) weist fraktale Strukturen und Fibonacci-Spiralen auf.
  • Die Kochsche Schneeflocke ist ein weiteres Beispiel für ein solches Phänomen in der Natur.

Elliott veröffentlichte seine Erkenntnisse und daraus entwickelte Regeln in dem 1938 erschienenen Buch „The Waves Principle" (Das Wellen-Prinzip).

Kursmuster finden, um den zukünftigen Verlauf prognostizieren zu können

Mit diesem Wissen, dass Kursbewegungen immer wieder in denselben Mustern ablaufen, versucht man in der Charttechnik mithilfe einer Elliott-Wellen-Analyse den Beginn eines bestimmten Kursmusters frühzeitig zu finden. Wenn man den Beginn eines solchen Kursmusters gefunden hat und weiß, wie sich das Kursmuster weiter entwickelt, dann kann man den weiteren Kursverlauf bis zur Vollendung der Kursformation und darüber hinaus (Ausbruchsrichtung, etc.) prognostizieren.

Genau wie bei der klassischen Chartanalyse, gilt es also mit der Analyse der Elliott-Wellen die wahrscheinlichste Richtung der nächsten Bewegung zu erkennen.
Es geht also auch hier nur um Wahrscheinlichkeiten und darum, diese zu den eigenen Gunsten zu verschieben.

Wie wird sich die Masse zukünftig verhalten?

Anders ausgedrückt analysieren die Elliott-Wellen das Verhalten aller Marktteilnehmer. Denn das Verhalten aller Marktteilnehmer spiegelt sich stets im Chart wider. Daher könnte man auch sagen: Es geht um die Wahrscheinlichkeit, wie sich die Masse zukünftig verhalten wird.

Elliott-Wellen-Theorie: Eine eigenständige, in sich geschlossene Methode der Chartanalyse

Dabei ist die Elliott-Wellen-Theorie eine in sich geschlossene Methode. Sie ist eigenständig anwendbar. Viele Elliott-Wellen-Anhänger stützen sich daher ausschließlich auf diese Analyseform. Elliott-Wellen sind aber kein Allheilmittel, sondern man sollte sie als ein zusätzliches Werkzeug bei der Analyse der Charts nutzen.
Wir (insbesondere unser Chefanalyst Sven Weisenhaus) haben damit in der Vergangenheit bereits hervorragende Ergebnisse erzielt.

Durch eine Kombination der Elliott-Wellen mit anderen charttechnischen Methoden (wie z. B. den Fibonacci-Marken) lassen sich deutlich treffsichere Prognosen erstellen, als mit einer einzelnen Methode der Charttechnik alleine.

Grundstruktur der Elliott-Wellen-Theorie

Nach der Elliott-Wellen-Theorie verlaufen Kursbewegungen immer nach einem bestimmten Grundmuster ab:

Grundmuster der Elliott-Wellen-Theorie

Zuerst entsteht eine Trendbewegung, die stets in 5 Wellen abläuft. Anschließend folgt eine 3-welligen Gegenbewegung. Die Wellen in Trendrichtung werden dabei mit Ziffern (1, 2, 3, 4, 5) benannt, die Wellen der Gegenbewegung mit Buchstaben (A, B, C).
Die Trendbewegung besteht aus drei Impulswellen (1, 3, 5) und zwei Korrekturwellen (2, 4). Dabei sind folgende drei Regeln zu beachten:

  • Die Welle 2 endet nie unter dem Anfang der Welle 1.
  • Welle 4 darf nicht unter das Top von Welle 1 fallen.
  • Die Welle 3 ist oft die längste Impulswelle, aber nie die kürzeste.

Die fraktale Struktur der Elliott-Wellen

Diese grobe Darstellung von in der Realität deutlich komplexer verlaufenden Kursbewegungen lässt sich in der Elliott-Wellen-Theorie noch deutlich detaillierter darstellen und dadurch auch in kurzen Zeiträumen anwenden. Durch eine ausgeprägte Regelvielfalt kann man genauere Kursprognose abgeben. Ermöglichen tut uns dies unter anderem und insbesondere die „fraktale Struktur der Elliott-Wellen“.

Fraktale Struktur der Elliott-Wellen

Sie sehen hier in der Grafik drei Kursmuster, wobei das untere Muster jeweils eine detailliertere Ansicht des darüber liegenden Kursverlaufs ist. Mit dieser Grafik ist das Prinzip den oben genannten „fraktalen Selbstähnlichkeit“ schnell erklärt. Es bedeutet, dass sich die übergeordneten Wellenformen, also unter anderem das oben dargestellte Grundmuster, in untergeordneten Wellen wiederfinden, genau wie bei den Beispielen der Natur (Baumzweig, Farn, Blumenkohl, Schneeflocke etc.).

Ein wollständiger Marktzyklus (siehe oberer Verlauf in der Grafik) besteht gemäß der Elliott-Wellen-Theorie aus 8 Wellen:

  • 3 Impulswellen (Wellen 1, 3 und 5),
  • 2 Korrekturwellen (2 und 4) sowie
  • einer Gegenbewegung in 3 Wellen (A, B und C).

Dabei besteht die Impulswelle 1 selbst wieder aus 5 Wellen (siehe mittlerer Verlauf): 3 Impulswellen (1, 3 und 5) und 2 Korrekturwellen (2 und 4).
Die (Korrektur-)Welle 2 besteht als Gegenbewegung aus 3 Unterwellen: den Wellen A, B und C. Und so weiter.

Alleine mit diesen Erkenntnissen kann man bereits gute Kursprognosen erstellen. Denn wenn man ein Stück eines der drei oben dargestellten Kursverläufe im Verlauf einer Aktie oder eines Index erkannt hat, kann man den weiteren Verlauf prognostizieren.

Wo beginnt man mit der Zählung?

Es gibt aber dabei ein Problem bei der Analyse der Elliott-Wellen: Man muss feststellen, wo eine 5-wellige Trendbewegung ihren Ursprung hat.
Dieser liegt stets an markanten Tiefpunkten. Daher sollte man über die Zeitebene – also über einen längerfristigen Chartausschnitt – feststellen, wo mit der Elliott-Wellen-Zählung zu beginnen ist.
Man muss eine einmal erstellte Elliott-Wellen-Analyse also verifizieren bzw. bestätigen, indem man überprüft, ob die untergeordnete Wellenzählung zum übergeordneten Chartbild passt.

Am Beispiel des DAX haben wir die Elliott-Wellen übrigens am 22. Januar 2014 wie folgt gesehen.

DAX - Elliott-Wellen-Analyse

Kombination aus Elliott-Wellen und Fibonacci-Marken

Die Elliott-Wellen alleine funktionieren als Instrument der Chartanalyse schon sehr gut. Doch in Kombination mit weiteren charttechnischen Methoden erhält man noch treffsicherere Prognosen.
Die Fibonacci-Marken zum Beispiel sind ein hervorragendes Instrument um Korrekturpotentiale aufzudecken.
Erkennt man in einem Kursverlauf zum Beispiel das Ende einer vollständigen 5-gliedrigen Trendbewegung, dann weiß man, dass eine ABC-Korrektur folgen wird. Wie weit diese Korrektur reichen könnte, kann man anhand der Fibonacci-Marken (38,20%, 50%, 61,80%, etc.) festlegen.

Am Beispiel des DAX sah dies am 22. Januar 2014 wie folgt aus.

DAX - Elliott-Wellen-Analyse

Die Elliott-Wellen-Regeln können Bücher füllen

Die Elliott-Wellen-Theorie kennt neben den hier dargestellten Grundmustern noch sehr viel mehr Chartformationen und Regeln. Die Elliott-Wellen-Theorie ist deutlich komplexer als das hier bislang dargestellte. Dadurch gibt es leider auch viele Möglichkeiten, die Wellen zu zählen. Drei „Elliott-Waver“ kommen nicht selten zu fünf verschiedenen Ergebnissen.

Und so konnte das Szenario im DAX auch wie folgt alternativ gezählt werden.

DAX - alternative Elliott-Wellen-Zählung

In diesem Chart erkennen Sie anhand der Buchstaben A, B, C, D und E, dass es neben dem Grundmuster noch weitere Formationen und Regeln gibt. Diese alle auf einmal zu erklären, würde den Rahmen des Newsletters sprengen.

Weitere Regeln zur Elliott-Wellen-Theorie werden hier an dieser Stelle zukünftig noch erläutert.

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